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FS 2010 Von der Idee zum Material

Vom Bau von Raumschiffen
Matthias Noger, Architekt / Szenograf, St. Gallen
Montag, 22. März 2010


Modelle, Ideen, Materialien

Fabio Reinhart, Architekt, Lugano
Montag, 19. April 2010


Materialität und Massstäblichkeit in der Kunst

Felix Lehner, Leiter Kunstgiesserei, St. Gallen
Montag, 3. Mai 2010
anschliessend «und sahen was zu machen war ...»
Dokumentarfilm von Stephan Sachs (D, 1994, 72 MIn.)


Das Modell als Arché der Architektur

Bazon Brock,  Professor em. für Ästhetik und Kunstvermittlung, Wuppertal
Montag, 17. Mai 2010

 




Vom Bau von Raumschiffen
Der Science-Fiction-Film ist ein Sammelsurium von Modellen. Um eine Geschichte zu erzählen, die in der Zukunft spielt, braucht es zunächst eine Vorstellung, wie sich die Gesellschaft und deren Umfeld entwickeln könnte. Dienen Raumschiffe als Fortbewegungs-mittel, wohnt die Menschheit in Raumstationen und so weiter? Damit sich die Geschichte glaubhaft entfalten kann, muss dieses Zukunftsmodell im Film möglichst realistisch dargestellt werden. Natürlich werden für einen Film keine funktionierenden Raumstationen oder Raumschiffe gebaut, sondern lediglich Modelle davon. Diese reichen je nach Bedarf vom klassischen Miniaturmodell bis zur 1:1–Kulisse oder sind vollständig computergeneriert. Zusammen mit Sound- und Special-Effects entsteht so im Science-Fiction-Film die Illusion einer Zukunftswelt. Am Beispiel des Schweizer Science-Fiction-Films Cargo von Ivan Engler erzählt Matthias Noger von seinen Erfahrungen als Szenenbildner und dem Entwerfen von Raumschiffen.

Matthias Noger, *1976, 1992-1997 gestalterischer Vorkurs und Hochbauzeichnerlehre in St.Gallen, 1998-2002 Architekturstudium an der ZHW Winterthur, 2002-2004 Aufbaustudiengang als Szenenbildner an der Hochschule für Fernsehen und Film München, seit 2005 als selbstständiger Architekt und Szenenbildner tätig, 2007 Gründung der Eigen GmbH zusammen mit Stefan Meile, 2003-2009 Szenenbildner des Science-Fiction-Films Cargo (CH, 2009, Atlantis Pictures, Regie: Ivan Engler)


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Modelle, Ideen und Materialien
Was meine Mutter über Personen sagte, denen man begegnet und über Kollegen, die man trifft, ist eine gut geeignete Methode das Thema der Modelle auf generelle Weise anzugehen. Sie weist klar auf die problematischen Aspekte hin und bedient sich gleichzeitig des hilf-reichen Schatzes persönlicher Erfahrungen, um es anzugehen. Ich fasse dies in drei Punkten zusammen, eine Klammerbemerkung vorausschickend:
- (ähnlich wie jedes materielle Objekt oder jede immaterielle Existenz [Entität] ) können alle als Beispiele dienen
- die Beispiele können sowohl positiv als auch negativ sein
- von jedem Beispiel kann sowohl gut als auch schlecht angewendet werden.

Grundsätzlich stellen sich zwei Probleme:
Einerseits gilt es, die Qualität der Beispiele beurteilen zu können und sie andererseits korrekt anzuwenden. Um diese Fragen angehen zu können, ist es angebracht, vorerst klarzustellen, was mit «Modell» gemeint ist, denn dieser Begriff hat sowohl im Italienischen als auch im Deutschen mehrere Bedeutungen. Im Speziellen verwendet der Architekt diesen Begriff für verschiedene, oft ganz unterschiedliche, wenn nicht sogar gegensätzliche Wirklichkeiten.

Ich werde vier Bedeutungen des Begriffes betrachten. Das Modell als:
- Referenzbegriff für ein nachzuahmendes Beispiel
  (dessen Auswahl ist bereits Teil der planerischen Arbeit)
- Prototyp (ein für die Nachbildung bestimmtes Objekt)
  oder Typ (ein zu interpretierendes Objekt)
- Reproduktion in verkleinertem Massstab
  (das für die Gestaltung vollständigste und effizienteste Arbeitsinstrument)
- theoretisches Schema für die Darstellung einer Klasse von Phänomenen.

Ich werde mit diesem letzten Punkt beginnen, dem besten theoretischen Schema, das ich kenne, um das architektonische Phänomen zu erklären. Anschliessend werde ich andere mögliche Bedeutungen des Begriffes betrachten, ausgehend von der Erfahrung der Casa Croci.

Fabio Reinhart, *1942,  Architekt mit vierzig Jahren Berufserfahrung, die auch die Tätigkeit als Kritiker beinhaltet. Im Verlaufe des Werdeganges überlagerten und beeinflussten sich ge-genseitig Planungs- sowie Umbau- und Renovationsarbeiten, theoretische Betrachtungen und Lehrtätigkeit – ein Abenteuer im Alleingang, streckenweise begleitet durch von hervorragende Kollegen: Bruno Reichlin (Mitinhaber des Architekturbüros während beinahe zwanzig Jahren), Aldo Rossi, Eraldo Consolascio, Luca Ortelli, Santiago Calatrava, Gabriele Geronzi, Ivo Trümpy, Luciano Crespi … und viele andere mehr. Die besten Arbeiten sind vielleicht die Casa Tonini, die Casa Cavalier Pellanda und Riva, die Restaurierung in Sornico und die nicht realisierten Restaurierungen in Rheinfelden und des Castel Grande in Bellinzona, die Darstel-lung von «La città analoga», die Projekte für das Teatro Carlo Felice in Genua und für den Spandauer Bahnhof, die Vorschläge für die Koch-Friedrichstrasse in Berlin und für den Königsplatz in München.
Nach Professuren an der Scuola Tecnica in Lugano, an der ETH Zürich und an der Gesamt-hochschule Kassel, beendete er seine Unterrichtstätigkeit  an der SUPSI (Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana) in Lugano am Studiengang Innenarchitektur.

 

Italienische Originaltextvorlage:

Modelli, idee e materiali
Ripetere quanto mia madre diceva delle persone che si incontrano e dei compagni che si frequentano è un ottimo modo d’affrontare in generale il tema dei modelli. Ne indica con chiarezza i problemi e, nel contempo, un patrimonio di esperienze personali a cui è utile ricorrere per farvi fronte.
Lo riassumo in tre punti anteponendo un’osservazione tra parentesi:
- (similmente a ogni oggetto materiale o entità immateriale), tutti possono fungere da esempio
- gli esempi possono essere positivi o negativi
- di ogni esempio si può fare tanto buono che cattivo uso.

Le questioni che si pongono sono sostanzialmente due:
potere (sapere) giudicare la qualità degli esempi e farne un uso corretto.
Per affrontarle è opportuno chiarire, innanzitutto, cosa s’intende per “modello” poiché, in tedesco come in italiano, ha numerose accezioni.
In particolare, l’architetto impiega questo termine per indicare realtà diverse, anche molto divergenti, addirittura opposte.

Prenderò in considerazioni quattro accezioni:
- termine di riferimento valido come esempio da imitare (sceglierlo è attività progettuale)
- prototipo (oggetto disponibile alla replica) o tipo (oggetto da interpretare)
- riproduzione in scala ridotta (il più completo strumento progettuale ed efficace dal punto di vista formativo)
- schema teorico scelto come rappresentazione di una classe di fenomeni.
Inizierò da quest’ultimo punto: dal miglior schema teorico che io conosca per spiegare il fenomeno architettonico. In seguito esaminerò altre possibili accezioni partendo dall’esperienza di Casa Croci.

Fabio Reinhart, *1942, architetto con alle spalle quarant’anni di attività professionale intesa quale esercizio della critica. Un percorso in cui si sovrappongono e intrecciano progettazio-ne, restauro, riflessione teorica e insegnamento; un’avventura solitaria vissuta a tratti in compagnia di ottimi colleghi: Bruno Reichlin (contitolare dello studio per quasi vent’anni), Aldo Rossi, Eraldo Consolascio, Luca Ortelli, Santiago Calatrava, Gabriele Geronzi, Ivo Trümpy, Luciano Crespi … e molti altri ancora. I risultati migliori sono forse le case Tonini, Cavalier Pellanda e Riva, il restauro a Sornico e quelli non realizzati per Rheinfelden e il Castel Grande di Bellinzona, l’immagine de «La città analoga», i progetti del Teatro Carlo Felice a Genova e della stazione di Spandau, le proposte per la Koch-Friedrichstrasse a Ber-lino e la Koenigsplatz a Monaco.
Già professore della Scuola Tecnica di Lugano, del Politecnico di Zurigo, della Gesamthoch-schule di Kassel, ha concluso l’attività didattica presso la SUPSI nel Ciclo di studio di Archi-tettura d’interni.

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Grosser Bär und kleine Palme – Materialität und Massstäblichkeit in der Kunst
Das Entstehen eines Kunstwerkes ist ein schwer planbar Prozess. Fortlaufendes Überprüfen, Testen und Ändern bilden den Kern eines suchenden Arbeitsprozesses. Immer wieder tauchen dabei komplexe Problemstellungen auf, die nur durch präzises Forschen und Experimentieren mit unkonventionellen Materialverwendungen und Verarbeitungstechniken
zu lösen sind. Die Skalierung von Gegenständen und Texturen führt bestenfalls zu einer beabsichtigten Verschiebung der Wahrnehmung.
Anhand mehrer Beispiele wird versucht, die Bandbreite vom Handwerk bis zum High Tech-Maschineneinsatz in der Kunstgiesserei St.Gallen zu zeigen. Letztendlich bestimmt die Frage nach der richtigen Massstäblichkeit und Materialität die Form des Kunstwerks.

Die Kunstgiesserei versteht sich als eine Werkstatt zur Realisierung plastischer Vorhaben.

Felix Lehner (*1960) gründete 1985 die Kunstgiesserei in Beinwil am. 1994 erfolgte der Umzug in die grösseren Werkhallen im Sittertal in St.Gallen, die seitdem ständig erweitert und kontinuierlich mit einer hervorragenden Infrastruktur ausgestattet wurden. Das Tätigkeits-gebiet der Kunstgiesserei umfasst hauptsächlich die Umsetzung und Restaurierung plastischer Kunstwerke nationaler und internationaler Künstler.


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Das Modell als Arché der Architektur
Schon namentlich ist Arché-tektur als stabilitas, als Festigkeit auf letztem Grund und somit als Letztbegründung für Menschen als den Behausten eine Grundlagendisziplin. Aber nicht ein Fels als Urgrund ist gemeint, wie er im Namen Petrus griechisch und lateinisch die Gründung der Christenheit bezeichnet, sondern die Tatsache, dass Architekten Weltmodellbildner sind. Ihre technisch-gestalterische Kunst beweist sich als Übersetzungsverhältnis des Kleinen ins Große, der Aufsicht in die Untersicht, von Ideen in Form, von Symbolen in materielle Realität, von Holz in Stein, von einem Maßstab in andere Maßstäbe. 

Modelle sind Medien des transzendentalen Brückenbaus über den Abgrund von Virtualität und Realität. Sie vermitteln zwischen Antizipation als Wirkursache und technischer Manipulation in consecutio temporum, im kontinuierlichen Arbeitsprozess also. Mit dem Einsatz des Werkzeugs Computer, etwa bei Frank Gehry, Zaha Hadid und den Blob-Architekten, droht nun dieser Modellbau als Grundlegung der Arché-tektur ausgelöscht zu werden, weil bei besagten Architekten die Differenz von Modell und Ausführung aufgehoben wird.

Prof. Dr. s.c. t.c. h.c. Bazon Brock, geb. 1936 in Stolp, Pommern. Studium der Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Politikwissenschaften in Hamburg, Frankfurt, Zürich. Ausbildung und Tätigkeit als Dramaturg. Ab 1959 erste Happenings und Action Teachings.
1965-1978 Professor für nichtnormative Ästhetik an der Hochschule für bildende Künste
in Hamburg, 1978-1981 Professor für Gestaltungslehre an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, 1981-2001 Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Universität Wuppertal, zuletzt Dekan des Fachbereichs Design. Heutiger Arbeitsschwerpunkt: Neuronale Ästhetik, Imaging Sciences.