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HS 2007/2008 Neue Räume – alte Räume

Heimwerken
Marco Bakker, Architekt, Lausanne
Montag, 15. Oktober 2007

Weiterbauen
Walter Angonese, Architekt, Kaltern
Mittwoch, 31. Oktober 2007

Zentrum – Peripherie
Jean Odermatt, Künstler, Eglisau
Montag, 12. November 2007

Transformer – Faire plus et mieux
Anne Lacaton, Architektin, Paris
Donnerstag, 22. November 2007

 

 

 

 

 

 

 

Heimwerken
Das Werk von Bakker & Blanc richtet den Blick auf Realisierungen, die in bestehenden Umfeldern Verbindungen zu Raum und Zeit knüpfen, ohne dass die Frage nach der Chronologie aufgeworfen würde. Spuren und Überreste gebauter Elemente werden aufgrund ihres Potenzials als Grundlage für das Projekt ausgewählt. Die Architektur von Bakker & Blanc entsteht auf gewisse Weise aus den Teilen bestehender Bauten. Tatsächlich ist sie mit bekannten Dingen verquickt und beschäftigt sich mit einer bestimmten Faszination des «Unüblichen im Üblichen», der Poesie der kleinen Dinge, die sich über die funktionalen Aspekte aufschwingt. Sie hebt die Gebrauchsspuren hervor, die zur täglichen Praxis gehören und macht scheinbar gewöhnliche Vorkommnisse sichtbar, indem sie diesen eine besondere Stimmung verleiht.Da die einzelnen Interventionen konzeptuell nicht isoliert werden können, sondern nach ihrer Auflösung in ihrer Umgebung streben, verrät der Planungs- und Bauprozess ein gewisses Mass an Improvisation, das Ähnlichkeit mit dem «Heimwerken» besitzt. Der Umbau «Le Gothard» in Fribourg wird als Leitfaden für diese Vorgehensweise als Beispiel näher erläutert.

Marco Bakker (*1960) und Alexandre Blanc (*1964) gründeten ihr Büro 1992. Marco Bakker hat in Holland an der Universität Delft studiert und war Assistent an der ETH Lausanne bei Vincent Mangeat und Kaschka Knapkiewicz. Seit 2003 ist er Dozent für Entwurfstheorie an der Architekturabteilung der Berner Fachhochschule.Alexandre Blanc studierte an der ETH Lausanne, war dann Assistent bei Martin Steinmann und arbeitete bis zur Bürogründung bei Diener & Diener in Basel. Bakker & Blanc beschäftigen heute sieben Mitarbeiter in Büros in Lausanne, Freiburg und neu auch in Zürich. Aktuelle Projekte sind: Mobile Pavillons für die Genfer Uferpromenade (2008), Therme Crans-Montana (2011), Kanzlei der Schweizer Botschaft in Algier (2010) und drei Flusshäuser in Freiburg (2007).

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Weiterbauen
Um das «Weiterbauen» und einige wenige andere Begriffe (Dialektik, Einfalt, Kontext, Materialität, Legitimation) bewegen sich meine Gedanken zu Architektur und Landschaft. «Weiterbauen» ist am Vorgefundenen anzuknüpfen, weiterzudenken, um dann schlussendlich weiterzubauen. Vorgefundenes meint nicht notgedrungen Gebautes; es kann eine Situation, ein Ort oder eben auch ein «Nichtort» sein. Dies wiederum setzt voraus, Vorgefundenes vorerst so zu akzeptieren, wie es wahrgenommen wird, ohne Wertung, auch wenn es auf den ersten Blick belanglos, überholt, anachronistisch oder festgefahren erscheint; es dann kritisch zu hinterfragen, um wichtige Weichen zu stellen, Weichen für Gedankengänge über die Architektur hinaus, um schlussendlich wieder zu dieser zurückzukehren. Ich glaube an die Bedeutung einer prozesshaften Entstehung von Architektur, daran, dass ein Entstehungsprozess nicht im Geplanten abgeschlossen sein darf, sondern sich den Phänomenen und Zufällen während der Umsetzung auch anzupassen vermag, aus diesen neue Aspekte und Betrachtungen ermöglicht und «ein Verkochen» verhindert.

Walter Angonese (*1961 in Kaltern), Werkstudent am Istituto Universitario di Architettura di Venezia iuav in Venedig, Landesdenkmalamt Südtirol 1990-1992. Seit 1992 freischaffender Architekt, zuerst in Bozen (a5 mit Markus Scherer), ab 2001 in Kaltern. Ehemals Vorstandsmitglied der Arge Kunst/Galerie Museum in Bozen und für diese Kuratierung mehrerer Ausstellungen im Bereich der Architektur. Lehrbeauftragter für Entwerfen an der TU Innsbruck 1999/2000, Gastprofessor WS 2007/2008 an der Accademia di Mendriso. Verschiedene Anerkennungen u.a. Neues Bauen in den Alpen, Piran Award, Premio Cittá di Oderzo, österreichischer Staatspreis für Architektur und Tourismus. Lebt und arbeitet in Kaltern am See.

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Zentrum und Peripherie
«Ich bin in einer ländlichen Gegend, in St. Niklausen bei Luzern aufgewachsen. Ich spürte hier schon früh, dass ich mit meiner Art von künstlerischem Schaffen in Luzern nicht überleben könnte. Ich brauchte einen urbaneren, anonymeren und gleichzeitig dichteren Raum. Ich studierte Kunstgeschichte in Zürich, später noch Soziologie und Ethnologie. Dazwischen besuchte ich eine Theaterschule in London. Parallel dazu schrieb ich sehr viel, publizierte aber zum Glück nichts, denn was ich schrieb, nahm all das vorweg, was ich dann seit 1980 realisierte: die sukzessive Annährung an einen ganz spezifischen Ort, den Gotthard, ein Raum, der für mich seit meiner Jugend am Vierwaldstättersee einen magnetischen Anziehungspunkt darstellte.»

Jean Odermatt (*1948 in Luzern), Hochschulausbildung in Kunstgeschichte und Literatur sowie Soziologie und Ethnologie. Nach Studienabschluss u.a. zwischen 1980 und 2005 Dozent für Soziologie an der Zürcher Hochschule Winterthur. Seit 1980 intensive künstlerische Auseinandersetzung mit dem Gebiet des Gotthards («Gotthardprojekt»), auf dessen Hintergrund auch das seit 1998 sich im Aufbau befindliche Zentrum LA CLAUSTRA (aus dem Rätoromanischen für «Kloster») entstanden ist. Gründer und Stiftungsratspräsident der «Fondazione La Claustra» mit Sitz in Airolo (TI). Seit 2006 Direktor des Labors für kulturelle Kommunikation (Laboratorio di cultura visiva LCV, SUPSI) an der Hochschule Lugano. Lebt in Eglisau und Lugano.

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Transformer – Faire plus et mieux
Die Bauten und Projekte von Lacaton & Vassal überraschen immer wieder durch unübliche Problemlösungen, sei es zum Beispiel durch die Verwendung von Standardgewächshäusern für Wohnzwecke oder Programmänderungen in Wettbewerbsvorschlägen und Projekten, bei denen durch Einsparungen die Vergrösserung des Bauvolumens bei gleichen Kosten möglich wird. Nach der Devise: «Die Idee eines billigen Gebäudes ist nie Ausgangspunkt für ein Projekt, aber immer wenn du etwas einsparst, kannst du es an einem andern Ort wieder ausgeben.»Mit ihrer Studie «PLUS – les grands ensembles de logement» zur Sanierung von über 250‘000 als nicht mehr bewohnbar eingestuften Wohnungen in Grossüberbauungen schlagen sie – entgegen den allgemeinen Erwartungen – nicht deren Abriss und den Ersatz durch Neubauten vor. Durch die geplanten Eingriffe sollen zu einem Preis, der deutlich unter dem eines gleich grossen Neubauvorhabens liegt, Wohnungen entstehen, die heutigen Vorstellungen gerecht werden. Dies unter Teilnahme der Bewohner am Planungsprozess. Zur Zeit haben Lacaton & Vassal die Gelegenheit ihr Sanierungsmodell an einem 17-geschossigen Wohnbau, dem Tour Bois-le-Prêtre von Raymond Lopez von 1958 zu erproben, der bereits eine gesichtslose Sanierung aus den 80er Jahren hinter sich hat.

Anne Lacaton (*1955 in Saint Pardoux, Dordogne), Diplom an der École d‘architecture de Bordeaux (1980), DESS (Diplôme d‘Études Supérieures Spécialisées) d‘Urbanisme an der Université de Bordeaux (1984); Gastprofessorin an der EPF Lausanne (2003-2006). Jean Philippe Vassal (*1954 in Casablanca), Diplom an der École d‘architecture de Bordeaux (1980), Architekt und Städteplaner in Niamey, Niger (1980-1985). Professor an der École d‘architecture de Bordeaux (1992-1999), Professor an der ENSAV École nationale supérieure d‘architecture de Versailles (2002-2006), Gastprofessor an der Fachhochschule Düsseldorf (2005), seit 2007 Professor an der TU Berlin. Gemeinsames Büro seit 1987.